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20 Jahre Erfolg

Rede zum 20-jährigen Jubiläum des Jardin de France
Von Michel Bonneau

Mesdames et Messieurs,

Wer heute die Internetseite und den Fuhrpark von Bernhard’s in Baden-Baden betrachtet, hat den Eindruck von einem kleinen Imperium: Bernhard Apostrophe S. Der Eindruck ist korrekt. Und Ergebnis beziehungsweise aktuelle Zwischenstufe einer richtigen Erfolgsstory.
Die begann vor exakt 20 Jahren!!



Für mich begann alles am 20. Mai 1998, als mein Freund Alfred Marquart und ich in Baden-Baden zufälligerweise einem Pariser Journalisten (Grand reporter) in die Hände fielen. Monsieur Marc Kuenstle war angereist (begleitet von dem Starphotographen Jean Michel Vosge), um für le Figaro Magazine ein aktuelles Portrait von Baden-Baden zu erstellen unter dem Motto „Was gibt es Neues in dieser berühmten kleinen Stadt, die mal als Vorort von Paris gegolten hatte?“

Im Prinzip ging es darum: Was wird aus dieser Stadt nach Abzug der FFA Forces Françaises en Allemagne? Was ist dort los 30 Jahre nach dem Überraschungsbesuch von Général de Gaulle bei Général Massu im Mai 68 in Baden-Baden?

Marc Kuenstle hatte sich schon zwei Tage lang sachkundig gemacht. Er wusste: Frau Dr. Sigrun Lang war drei Wochen zuvor, am 29. März, zur Oberbürgermeisterin von Baden-Baden gewählt worden. Das hatte Monsieur Kuenstle als Sensation empfunden, weil er die Stadt für eine CDU-Bastion hielt. Er wunderte sich, dass eine parteilose Dame so plötzlich ein solches Amt bekam. Er war voll begeistert, dass die Dame akzentfrei französisch spricht und einen französischen Ehemann hat und hiermit la double nationalité. „Seit so vielen Jahren unter der CDU wird es Zeit, dass ein neuer Wind weht“... hatte er gehört und wollte nach den Gründen recherchieren.

Was war Wahres daran?
Er hatte sich u.a. mit hiesigen Taxifahrern unterhalten, die in einer fremden Stadt eine gute Informationsquelle sein können. Seine Beute an Neuigkeiten war ansonsten aber etwas mager. Dafür hatte er bei einem Abendessen in einem Hotel an der Oos eine wahre bonne nouvelle für Alfred und mich: Er hatte am Tag davor ein „merveilleux petit restaurant“ entdeckt, Le Jardin de France, echte Franzosen, junge Leute, kompetent, extrem mutig und sympathisch. Und Elsässer auch noch dazu! Aus dem Haut-Rhin, du 68, ausgerechnet, wie er selbst.

Beide Ereignisse, die Wahl von Frau Dr. Lang und die Eröffnung des Jardin de France, zählten dann zu den „Neuigkeiten in Baden-Baden“ in dem achtseitigen Artikel im Figaro Magazine.

Marc Kuenstle schwärmte an dem Abend: „J’ai le nez creux, ich habe eine Nase dafür, es wird ein Riesenerfolg sein, es gibt Amuse-Bouche (Gruß aus der Küche, GADK) und sogar ein Pré-Dessert - et le sourire et les fossettes de la jeune patronne - das Lächeln und die Grübchen der jungen Chefin. Und bevor Sie das Lokal verlassen, kommt der Chef aus der Küche, um Euch zu verabschieden.“

Ein Riesenerfolg – Marc sollte recht behalten.
Was war geschehen?

Stéphan kam mit Sophie und deren Schwester Sandra und einer ganzen Mannschaft aus dem Sternelokal Le Valet de Coeur in Ribeauvillé im Elsass. Sie wollten ausgerechnet in Baden-Baden, in der französischSten deutschen Stadt zeigen, was la grande cuisine ist....mit Anfang/Mitte zwanzig...bitteschön!

Monsieur Figaro - das war Marcs Spitzname - machte eine einzige Einschränkung: „En amuse-bouches, ils servent des champignons à la grecque“....also marinierte Champignons.... das geht gar nicht! Und, ach ja, eine zweite: Die Lage in der Rotenbachtalstraße ist nicht das Gelbe vom Ei!

Für Alfred und mich gab’s also nur eines: Nichts wie hin! Schon am Tag darauf entdeckten wir die hohe Kunst und das hohe Niveau von Stéphan und Sophie, aber auch die Stärke der Mannschaft in der Küche und im Service: Monsieur Éric und Monsieur Alain sind immer noch da, Éric hier im Mutterhaus, Alain leitet die Dépendance La Table mit dem Hotel La Société. Sandra leitete jahrelang das Café de Paris. Mathieu in der Küche ist immer noch da.

Die Kontinuität hat sich ausgezahlt. Und die Bodenhaftung: Sophies Eltern, Josiane et Bernard, unterstützten das neue Projekt diskret aber fleißig, unter anderem mit Gemüse aus dem eigenen Garten, darunter les fameux radis Ostergruess.

Die Küche war toll. Sophie war ein exzellenter Service wichtig. Und la carte des vins. Die war in der Anfangszeit etwas größer als der Keller. Es kam sogar einmal oder zweimal vor, dass der eine oder der andere Bordeaux Grand Cru Classé auf der Carte des Vins du Jardin de France stand, aber nicht im Keller in der Rotenbachtalstraße lag ... sondern in meinem, in der Weststadt.

Ich hatte nach dem Abzug der FFA durch die Auflösung der Maison de France bei Jacky Fortier die Möglichkeit gehabt, ganz offiziell große Bordeaux, Pétrus & Co., relativ günstig zu ergattern - und die Anfangsweinkarte des Jardin de France sollte schon großartig sein. Hätte ein Gast so einen Wein bestellt, hätte es nicht geheißen: „Ausverkauft!“ Er hätte vielmehr ein paar Minuten später in der Rotenbachtalstraße auf dem Tisch gestanden.

Weiter im Erfolg:

Es dauerte nicht lange, es war im Frühjahr 1999, bis die Herren des Guide Michelin aufkreuzten, am Anfang anonym, aber beim zweiten oder dritten Besuch stellte sich der Tester vor und stellte allgemeine Fragen nach Spezialitäten, Öffnungszeiten etc. Dann war ein halbes Jahr Funkstille....aber ehrlich gesagt Hoffnung...obwohl jeder Chef inklusive Stéphan in der Phase sagt: „Mir ist der Stern nicht so wichtig, Hauptsache, ich mache meine Gäste glücklich....“ tu parles!

Ich hatte beruflich damals Zugang zu der Pressestelle des Guide Michelin. Zu dem Zeitpunkt waren die Geheimnisse und vor allem die Sterneverteilung...oder Streichung sehr gut gehütet. Ich konnte jedoch etwa eine Stunde vor der Öffentlichkeit und den Betroffenen erfahren, dass das Jardin de France in Baden-Baden den ersten Michelin-Stern bekommen hatte. Ich sah es schwarz auf weiß auf meinem Bildschirm.

Das Problem war, Sophie und Stéphan waren exakt zu diesem Zeitpunkt in Paris, es war an einem Montag und die beiden waren gerade dabei, an der Gare de l’Est die Rückfahrt nach Baden-Baden anzutreten. Es gab schon Mobiltelefone, aber keine Smartphones. Stephan konnte sich am Telefon nicht richtig freuen. „Ich will es schriftlich noir sur blanc sehen! Sonst glaube ich es nicht!“

Also faxte ich die Mitteilung ins Restaurant. Sein Sous-chef Jacques musste dorthin kommen. Erst als der Stéphan die Nachricht am Telefon vorgelesen hatte, konnte Stéphan sein Glück glauben. Danach war es am Ruhetag des Jardin mit der Ruhe vorbei – erst im Zug, dann mit den Mitarbeitern im Rothenbachtal.

Und seit nun exakt 18einhalb Jahren glänzt der Stern lückenlos über dem Haus. Der Stern kam sogar mit beim Umzug ins Goldene Kreuz. Nächstes Jahr im November sind es logischerweise 20 Jahre!
Es folgten Besuche von Gault-Millau und sämtlichen anderen Restaurantführern, die sich allesamt und einstimmig positiv äußerten und weiterhin äußern.

Erfolg auch auf anderem Gebiet: Sophie und Stephan wurden stolze Eltern von Lara und Léonie, zwei Töchter, zwei weitere Sterne also, die, wie ich hörte, nichts dagegen hätten, in der oder der Form bei Bernhard’s mit zu machen....

Das Imperium Bernhard’s wuchs weiter: Café de Paris. Kochkurse. Cateringservice. Restaurant La Table. Hotel La Sociéte. Les events im Festsaal.

Es gibt sogar indirekt einen zweiten Stern, und zwar für le Relais de la Poste in La Wantzenau, in dem Stéphan als „conseiller“ agiert. In seiner Freizeit zieht er seit einem halben Jahr dort die Fäden, konzipiert neue Gerichte und die Karte; und jetzt gerade im März hat das Haus den begehrten Michelin-Stern bekommen.

Wenn man bedenkt, dass Stéphan in dem Valet de Coeur in Ribeauvillé, dann hier im Jardin de France und gerade jetzt - indirekt aber immerhin - in La Wantzenau einen Stern hatte, haben wir hier einen 3-Sterne Chef, 3 mal 1 ist drei!

Erfolg auch für Frankreich.
Wir Franzosen reden liebend gern über Politik, unter Freunden ganz besonders. Sophie und Stéphan sind die einzigen Menschen, mit denen ich politisch hundertprozentig einverstanden war und bin. Es ist uns gelungen, im Laufe der letzten 20 Jahre, an der Wahl von drei von vier Präsidenten Frankreichs durch unsere Stimmzettel beteiligt zu sein. Jacques Chirac, Nicolas Sarkozy und seit genau einem Jahr Emmanuel Macron, von dem Sophie nach ihrer Gratulation einen Dankesbrief bekam.

Vor etwa 20 Jahren schloss das französische Konsulat im Schloss Solms. So erkläre ich ab für heute Le Jardin de France zum virtuellen neuen Konsulat Frankreichs in Baden-Baden.
Und ich beantrage, dass der 20. Mai zum zweiten französischen Nationalfeiertag erklärt wird.
Auf die nächsten 20 Jahre Jardin de France.

Vive la France!
Vive la République.
Vive le Jardin de France.